|
TAZ BREMEN, 9. August 1988,
32. Woche, Nr. 2579, Jahrgang 11
"Einen Ton tiefer, Frauen!"
Da war ich aber schief gewickelt: als Reporterin hinten reinsetzen,
aus sicherer Entfernung zuhören und beobachten, mit spitzem Stift
notieren - von wegen! "Du singst mit und schreibst dann später",
bestimmte die unwiderstehliche Brigitte Lück freundlich-resolut,
und ich stellt mich gehorsam auf.
|
gründen - und die Frauen kamen. 40, auch schon 50 Begeisterte von
Stimme und Stimmung treffen sich donnerstags in einem Grundschul-Musikraum
und üben zwei Stunden, was ihnen und später auch anderen Spaß machen soll.
Das Üben macht Spaß. Brigitte Lück, temperamentvoll und das Gegenteil von eingeschlafen, ist in ihrem außermusikalischen Nebenleben Psychologin - und das merkt man auch. "Prima. Die Noten habt Ihr getroffen - doch, durchaus. Jetzt versuchen wir, auch noch die Notenwerte hinzukriegen..." streng, aber gerecht. Nach den ersten kurzen, eher sinnentleerten Lockerungsübungen folgen Lieder, Jazziges, und wir hören uns im Kanon singen, gar nicht schlecht, ein-, zwei-, dreistimmig! Wir klatschen, um uns die Pausen einzutrichtern, bis die Hände und die Gesichter glühen. Wir lernen, dass wir nicht auf den Stimmbändern sitzen, sondern die Töne irgendwo vorn im Mund produzieren sollen. Spätestens im nächsten Januar, wenn der Chorplan Einjähriges hat, soll es einen unglaublich spektakulären Auftritt geben. Wer Lust hat und einsteigen will, muß zwei Bedingungen erfüllen: Frau sein und keine Angst vorm Vorsingen haben. Donnerstags 20-22 Uhr, Bürgermeister-Smidt-Grundschule, Contrescarpe Susanne Paas |
|
TAZ BREMEN, 16.September 1990
790 Tage Bremer Frauenjazzchor "Ein Ton tiefer"/ taz-Gespräch mit der Leiterin Brigitte Lück "Jede kann singen" |
schönen Satz für uns geschrieben. Seine Tochter war im Chor, und er hat gesagt,
das macht ihm Spaß. Im Frauenchor kannst du ja nur
in den Bereich von zwei Oktaven gehen statt in vier, wie bei einem gemischten. taz:Aber die Männer fehlen Euch nicht. Brigitte Lück: Überhaupt nicht! Es gibt ja auch Traditionen: Brahms hat für Frauen geschrieben, Eisler. Es ist nur eine Frage von anderen Arrangementtechniken. taz:Und Deine eigene Musikgeschichte? Brigitte Lück: Ich bin eigentlich Psychologin und habe eine ordentliche Anstellung - also wie viele Frauen, die lebenslänglich nebenher Musikerinnen sind. Und die leben meist vom Unterricht und nicht von der Musik. Ich singe mein Leben lang und spiele Klavier. taz:Warum kann eigentlich jede singen? Brigitte Lück: Warum können viele nicht singen? Weil Frauen lernen, ihre Stimme zurückzunehmen, sie dürfen weder brüllen noch laut reden. Das Phänomen kannst du sehen, wenn du dir einen Männerchor ankuckst: Die Männer röhren los, ob´s falsch oder laut ist, weil sie gewohnt sind laut zu sein. Wenn du aber gewohnt bist, deine Stimme nicht zu erheben, dir kein Gehör zu verschaffen, dann verkümmert deine Stimme auch. taz: Was passiert heute abend? Brigitte Lück: Weil nichts so langweilig ist als ein Chor, der zwei Stunden singt, gibts dazu das Musikkabarett "Li(e)dschatten" und die Avantgarde-Sängerin Ilse Zahn-Wienands. |
|
Die Norddeutsche, 16. Februar 1994
Alle Chöre auf erstaunlich hohem Niveau
Vegesack
(hjl). Für über 450 Sängerinnen und Sänger war es in diesem Jahr die "Nacht der Nächte".
Im Bürgerhaus Vegesack begeisterten 15 Chöre auf einem erstaunlich hohen Niveau,
wobei es auch etliche "Spitzen" gab.
|
"Nicht nur Null-acht-fünfzehn-Musik" sei geboten worden, konstatierte denn auch die Vorsitzende des
Sängerkreises Bremen, Almut Gellendin-Gieschen, am Schluss erleichtert. ...Selbstironisch präsentierte sich ein kleiner Frauenchor mit dem bezeichnenden Namen "Ein Ton tiefer" unter der Leitung von Brigitte Lück, die mit einem durchgehenden "rosa Outfit" Anleihen bei der TV-Ulknudel Hella von Sinnen genommen hatte... |
|
WK 1995
Kräftig mit den Füßen gwippt
(efe) Musikkenner behaupten, Chorkonzerte garantierten volle Häuser.
Wieviel mehr müsste das dann für ein Festival gelten, bei dem pro Abend
gut hundert Teilnehmer nach und nach auf der Bühne stehen, ansonsten
aber samt "Anhang" den Saal bevölkern...
Es drängelte sich geduldig fast dreieinhalb |
Stunden lang auf Sitzen und Stufen und ließ sich auf alle Animationen stimmgewaltig ein.
Fingerschnippen und Fußwippen inklusive.
In diesem Jahr wurde zum zweiten Mal organisiert gesungen und dies sogar an zwei Tagen: Der Sängerkreis Bremen hatte zum Bremer Pop- und Jazz-Chorfestival aufgerufen.
Ihm gehören 80 Chöre an, sechs von ihnen sowie Gäste aus
Bremer- und Wilhelmshaven begrüßte die Vorsitzende Almut Gellendin-Gieschen.
|